Im Juni 1997 erhielten viele Geländewagenbesitzer
eine Mitteilung über 44% erhöhte Besteuerung ihrer
Fahrzeuge mit nicht schadstoffarmer Dieselmaschine. Da
kommt Frust auf, denn gerade alte Land Cruiser ohne
Turbolader haben großvolumige Motoren, für die ab 3.1l
Hubraum schon über 2.000DM KFZ-Steuer im Jahr zu
entrichten ist. Das kann in Deutschland die Preise für
Gebrauchtfahrzeuge drücken weshalb es sich anbietet mit
einem solchen Fahrzeug eine One-Way Tour durch die
Zentralsahara in den Tschad zu unternehmen um es dort zu
verkaufen und zurückzufliegen. Im Tschad genießt der
Land Cruiser legendären Ruf, weil mit seiner Hilfe der
Krieg gegen Libyen gewonnen wurde. Auf Land Cruiser
Pickups montierte Kanonen schossen zu Hunderten die
libyschen LKWs und Panzer ab. Als einziger Hersteller von
Geländewagen unterhält TOYOTA eine Vertretung in der
Hauptstadt N`Djaména. Zum Kauf und Verkauf geeignet
erscheinen die alten HJ60 sowie die Buschtaxis BJ 45 und
BJ 75. N`Djaména liegt dermaßen zentral in Afrika, dass
es sehr teuer ist Fahrzeuge auf dem See-/Landweg einzuführen.
Bisher wurden Gebrauchtfahrzeuge von Europa nach Douala/Kamerun
verschifft und von dort auf dem Landweg in die Hauptstadt
des Tschad gefahren. Dabei liefen hohe Kosten auf, kamen
die Fahrzeuge schon unvollständig aus dem Hafen und noch
unvollständiger zum Empfänger. Über Libyen aus dem
Norden kommende Fahrzeuge sind kompletter ausgestattet,
weniger strapaziert, mit weniger Überführungskosten
belastet und deshalb für den Käufer interessant.
Als Reisedokumente werden die Visa für
Libyen und den Tschad benötigt, nicht jedoch das lästige
Zolldokument Carnet de Passages. Beide Visa erhält man
in Bonn, das Visum für Libyen jedoch frühestens 30 Tage
vor geplanter Einreise. Die Antragsunterlagen sollte man
zwei Monate vor geplanter Einreise beschaffen und das
Visum dann genau einen Monat vor geplanter Einreise
beantragen. Gerade im Hochsommer, Weihnachten und Ostern
sind die Fähren von Genua nach Tunis schon sehr lange
vorher ausgebucht, weshalb die Tour entweder anders
gelegt oder die Fähre schon Monate vorher gebucht werden
sollte. Die Durchfahrung Tunesiens setze ich als bekannt
voraus, bei Libyen ist zu beachten, dass Alkoholverbot
besteht, US$ von Einheimischen nicht entgegengenommen
werden dürfen aber französische Franc kein Problem
bereiten. Der Franc ist genau die richtige Währung für
Ausgaben auf der Fähre, für Tunesien, Libyen und den
Tschad.
Schon an den Tankstellen vor Al Katrun
ist für 8 Pfennig pro Liter so viel Treibstoff wie möglich
zu bunkern und in Al Katrun nur nachzutanken. Unter
Zugrundelegung erhöhten Verbrauches bei Pistenfahrt ist
für 1.500km Sprit mitzuführen, für die angesprochenen
Land Cruiser bedeutet das, dass zumindest 300l Diesel benötigt
werden. Die Ausreiseformalitäten aus Libyen in Richtung
Tschad werden in Al Katrun erledigt, ab dort kann aus
Sicherheitsgründen die Fahrt nur im Konvoi von zumindest
zwei Geländewagen erfolgen. Ein Führer ist ebenso
zwingend erforderlich wie Navigation, Landkarten und
Streckenbeschreibung. Diese Strecke ist auch mit Führer
und voller Ausrüstung dann nichts für Anfänger, eine
Beschreibung ist in Heft 1/97 von TOURS erschienen und in
der zweiten Auflage des Reiseführers von Gerhard Göttler:
REISE KNOW-HOW "Libyen". Im N- Tschad ist
praktisch keinerlei Versorgung zu erwarten, außer Wasser,
elementarer Grundnahrungsmittel und evtl. Treibstoff. In
der Hauptstadt angekommen packt der frischgebackene
Autoschieber seine Utensilien zum Aufmöbeln des
Fahrzeugs aus, die er in weiser Voraussicht mitgenommen
hat: Cockpit- Pray für den Glanz im Innenraum, Motorspray
für blinkenden Motorraum, Politur für die strapazierte
Außenhaut und Reifenspray sorgen für neuwertiges
Erscheinungsbild des steuerflüchtigen Oldies. Der
Kaufpreis wird in französischen Franc kassiert und der Rückzug
angetreten.
Der Rückflug ist mit AIR FRANCE ab N`Djaména
über Paris möglich. Wer gut ausgerüstet war und
deshalb mit den üblichen 20kg Gepäck nicht auskommt,
der gibt bis zu 50kg/Person als sogenanntes "Nichtbegleitendes
Fluggepäck" auf, für das nicht etwa das gefürchtete
1%/kg des 1.Klass-Ticketpreises, sondern die extrem viel
günstigeren 50% des normalen Luftfrachttarifes zu
bezahlen sind. Um diesen Tarif zu erlangen geht man
wenige Tage vor Abflug zu einer örtlichen
Luftfrachtspedition, gibt das Gepäck, am besten in Alu-Kisten
auf und legt das Ticket vor, das beweist, daß man auf
dieser Strecke fliegen wird. Das Gepäck kommt manchmal,
aber nicht immer ("nichtbegleitend"),
gleichzeitig mit den Passagieren an. So ist es möglich
wichtige Ausrüstungen zu erträglichem Preis wieder mit
zurückzunehmen. Die hier beschriebene Tour hat den
Vorteil, daß man in 4-5 Wochen weit nach Afrika hinein
reisen kann, kein Problem damit entsteht, daß die Rückreise
über Libyen nicht möglich ist sowie, daß man sich mit
dem Verkauf die Rückflüge finanziert und den Kaufpreis
des Fahrzeugs wieder herausbekommt.
Als Käufer oder Vermittler in N`Djamena
kommt in Betracht:
Moussa Mahamat, B.P.1600, N`Djaména,
Fax. 00235 523350
Man erreicht ihn auch über das AIR FRANCE- Büro in N`Djaména oder seine Frau im Büro der
GTZ.
Wer dort nicht klarkommt und mit oder
ohne CARNET nach Kamerun weiterfährt, der kann den
Verkauf in Bafoussam bei Michael Walter versuchen:
Diocese de Bafoussam, Centre de
Promotion des Artisans de Bafoussam, Tel.00237-444617,
Fax. 00237-441496
Könnte man mit diesem Autoexport
schnell reich werden, so säße ich nicht hier an der
Tastatur meiner Textverarbeitung, sondern wäre unterwegs.
Fragen zur "großen Reise" beantworte ich übrigens,
soweit ich kann, jede Woche donnerstags von 15h-19h unter
Tel. 089/282032.
|