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Immer wieder
habe ich es erlebt, dass Fahrzeuge gekauft,
zu "Expeditionsfahrzeugen" aufgebaut und ausgerüstet
wurden, die am Ende sehr viel Zeit und Geld gekostet haben, aber den tatsächlichen
oder vorgeblichen Zweck nicht erfüllten. Es ist nicht gelogen, wenn ich
berichte, dass ich Kunden hatte, deren allradgetriebener LKW mit Granitfußboden
und Rosenholzeinrichtung, Keramiktoilette und Waschmaschine ausgestattet
war. Die Kristallgläser hingen an der Decke über der Essecke. Natürlich
konnten Klimaanlage und Mikrowellenherd ebenso wenig fehlen wie die
prestigeträchtige Solaranlage. Allein der Anschaffungswert führte dazu, dass
das Risiko mit diesem Gerät die Heimat zu verlassen als zu groß
erschien.
All der Luxus und all die Ausrüstung, die ebenso gegen die Angst wie
Unwissenheit angebaut und mitgeführt wird, belastet manches Fahrzeug so, dass
es eigentlich nicht einmal auf die Straße darf, weil das höchstzulässige
Gesamtgewicht schon überschritten ist bevor Treibstoff und Wasser eingefüllt
sind oder gar auch noch der Fahrer eingestiegen ist. Manches Fahrzeug
wurde so hoch bzw. dachlastig aufgebaut und beladen, dass es im Gelände
zu kippen drohte. Dieses Risiko entsteht dann, wenn Fahrzeuge mit
Aufbauten knapp die größte zulässige Höhe von 4m erreichen und dann
noch mit Gepäck auf dem Dach belastet werden. Mir wird regelmäßig
schlecht wenn ich nur daran denke wie ein dreipunktgelagerter hoher
Wohnaufbau eines Unimogs schwanken kann. Das gilt insbesondere dann, wenn
der Aufbau zusätzlich noch weit über die Hinterachse
hinausragt und das Fahrzeug zu "schwänzeln" anfängt. Da
fahren eigentlich hoch geländegängige Allrad- LKWs auf der Straße
herum, die nicht ins Gelände können, weil die Kugelkopfkupplung am Heck
sonst aufsitzt.
Wie
kommt es zu diesen Fahrzeugen, die man nach wenigen Jahren geringer
Benutzung für einen Bruchteil der Gestehungskosten und doch noch immer
für zu viel Geld angeboten bekommt?
Manche Menschen träumen ein Arbeitsleben lang von der "Großen
Reise", sie haben beruflich Erfolg, verdienen gut Geld, bauen sich
ihr Häuschen, zahlen in die Rentenversicherung und Lebensversicherung
ein, ziehen ihre Kinder groß. Dann kommt der Zeitpunkt der
Frühpensionierung, der Lebensunterhalt ist ohnehin auf hohem Niveau
gesichert, die Lebensversicherung kommt zur Auszahlung.
Jetzt plant der Herr des Hauses die "Große Reise" und dazu sein
allradgetriebenes Expeditionsmobil. Seine Frau hat ihn sein Berufsleben
lang im Glauben gelassen, sie wolle mit ihm die Große Reise machen. Jetzt
wo sie näher kommt versucht sie es zu verhindern, indem Sie im
Expeditionsfahrzeug alles haben muss, was zuhause ohnehin da ist. Der Herr
des Hauses durchschaut das Spiel nicht oder will es nicht wahrhaben. In seiner Verzweiflung plant
er alles mit ein, gibt
es in Auftrag und bezahlt Hunderttausende von DM.
Dann kommen die zwei, drei Testfahrten nach Griechenland oder gar Tunesien
und Island sowie die Einsicht, dass das doch nichts ist für "gnä'
Frau". Es kommen tatsächliche oder vorgeschobene Krankheiten,
Enkelkinder, Terminprobleme, denn nichts ist so stressig wie das
Pensionsalter. All das soll verschleiern, dass man die Angst vor der Reise
nicht überwunden hat und mit der Technik nicht zurecht kommt. Nachdem es
wenige Jahre unbenutzt vor der Haustüre stand soll das prestigeträchtige
Gerät wieder verkauft werden. Da stellt sich heraus, dass es trotz
enormer Abschreibung für potentielle Käufer, die wirklich reisen wollen
noch immer viel zu teuer, zu kompliziert, zu schwer und zu individuell
geplant ist. Oft sind auch massive Planungsfehler gemacht worden, die sich
nicht mehr beheben lassen und die einen Verkauf verhindern.
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