Raubüberfall
in der mauretanischen Sahara |
10. Version vom 18.03.2000 |
Am 18. November 1999, 10h vormittags, wurde die von Klaus Därr organisierte und geleitete Expedition von sechs Geländefahrzeugen in N- Mauretanien bei N 21°20,49`, W 10°42,57', also 100km nordöstlich von Ouadane, überfallen und weitgehend ausgeraubt. |
Diese Fahrzeuge wurden beim Raubüberfall gestohlen
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dass Sie einen Hinweis darauf bringen, dass die jeweils
ausführlichste Version im Internet zu finden ist unter: www.klaus.daerr.de/Raubueberfall.htm. |
| Für Rückfragen anderer Personenkreise stehe ich jeden Donnerstag von 15h - 19h im Rahmen der "Hotline für Fernreisen" von DÄRR Expeditionsservice GmbH in München unter Tel. 089-282032 oder 282033 zur Verfügung. |
| Am 14.03. 2000 erhielt ich ein Fax. von der Deutschen Botschaft in Algier, dass mein roter Mercedes 290 GD bei Reggane in SW Algerien von der Gendarmerie sichergestellt sei. Der Fahrer gab an, er wisse dass es sich um eines der geraubten Fahrzeuge handle, er habe es aber in Mali gekauft um es illegal nach Algerien zu verbringen und dort zu verkaufen. Diese Version erscheint mit unglaubwürdig, denn den Mercedes G gibt es in Algerien praktisch nicht. Ich vermute vielmehr, dass einer der Banditen und Räuber das Fahrzeug von deren Quartier in N- Mali, vermutlich in der Region von Terhazza, illegal durch Algerien in den Niger verbringen wollte um es dort zu verkaufen. Vermutlich war es ihm in Mauretanien und Mali zu heiß. Das Fahrzeug hatte beim Aufgriff Kennzeichen aus Illizi/O- Algerien, was darauf schließen lassen könnte, dass es nach Libyen verschoben werden sollte. Ich hatte im Januar ca. 80 Plakate an alle Gendarmeriestationen in Sahara und Sahel von Mauretanien, Mali, Algerien, W- Sahara, N- Senegal und Niger geschickt. Auf diesen Plakaten waren die Fahrzeuge abgebildet, der Sachverhalt in Französisch dargestellt und der Hinweis angebracht sich bei der Gendarmerie oder der Deutschen Botschaft zu melden wenn eines der Fahrzeuge gesehen wird. |
Raubüberfall in der mauretanischen Sahara |
| Am 18.
November 1999, 10h vormittags, wurde die von Klaus Därr
organisierte und geleitete Expedition von sechs Geländefahrzeugen
in N- Mauretanien bei N 21°20,49`, W 10°42,57', also
100km nordöstlich von Ouadane, überfallen und
weitgehend ausgeraubt. Die Expedition: Vom Ende Oktober bis Anfang Dezember führte Klaus Därr eine Expedition mit 11 Personen und 6 Geländefahrzeugen durch die Sahara, die folgenden Verlauf nahm: Tunesien: Ankunft mit dem Schiff in Tunis, weiter zur Grenze nach Libyen Libyen: Ras Ajdir, Zuara, Nalut, Darj, Hamada al Hamra, Pipelinepiste, Al Awaynat, Ghat. Algerien: Tin Alkoum, Djanet, Erg d' Admer, Serouenout, Garet el Djenoun, In Salah, Aoulef, Adrar, Erg Chech, Bordj Fly Ste. Marie (verlassenes Fort), Chenachen (Posten der algerischen Gendarmerie), Mauretanien: Chegga (dort Cheggatt genannt, mauretanisches Militär), Bir Amrane, Ort des Überfalls, Guelb er Richat, Ouadane, Chinguetti, Atar, Akjoujt, Nouakchott, Nouamghar, Nouadhibou W-Sahara: Guerguarat, Dakhla, Boujdour, Laayoune Marokko: Guelmim, Agadir, Rabat, Ceuta (Verschiffung nach Europa). Der Ablauf des Raubüberfalls: Der Konvoi, bestehend aus vier Geländefahrzeugen und zwei MAN L 2000, also geländegängigen Wohnmobilen bzw. Versorgungsfahrzeugen, erreichte am Donnerstag, den 18. November 1999, um 10h vormittags eine Stelle stärkerer Vegetation ohne Brunnen entlang der "Piste", die jedoch nur aus vereinzelten weit verstreuten Spuren besteht. (Es war der Tag nach einer Nacht mit extrem starkem Einfall von Sternschnuppen). Die Deckung der Vegetation nutzend, blieb der Konvoi stehen, um den Teilnehmern eine kurze "Pinkelpause" zu ermöglichen. Wenige Minuten nach dem Anhalten des Konvois nähert sich unvermittelt ein weißer Toyota Land Cruiser Pickup, Diesel. Es steigen fünf uniformierte Männer ab bzw. aus, drei davon mit Kalaschnikov- Maschinenpistolen bewaffnet. Solche Situationen sind dem erfahrenen Saharareisenden bekannt, wenn sie von einer Patrouille der Gendarmerie oder des Militärs kontrolliert werden, sie müssen nicht sofort als bedrohlich betrachtet werden. Die Männer eignen sich ruppig die Autoschlüssel der Fahrzeuge an und fahren alle Fahrzeuge an eine Stelle, wo auch die Expeditionsteilnehmer versammelt werden. Die Männer bezeichnen sich selbst als "Banditen", sagen "Haben sie keine Angst, wir wollen das Geld und ein, zwei oder drei Autos". Politische Motive werden nicht vorgeschoben, sie behaupten nicht, "Rebellen" oder "Revolutionäre" zu sein, wie man das in anderen Regionen der Sahara kennt. Das Auftreten der Banditen ist zielgerichtet, routiniert, es gibt einen Chef. Die Banditen fordern die Expeditionsteilnehmer auf, sich in wenige Fahrzeuge zu quetschen. Sie verbringen Fahrzeuge wie Menschen in eine nahegelegene Senke abseits der Fahrspuren, um außerhalb der Sichtweite der kaum erkennbaren Piste zu sein. Kurz nach dem Anhalten gelingt es, unauffällig die Koordinaten des Tatortes von einem GPS-Navigationsgerät abzulesen und zu notieren. Alle Expeditionsteilnehmer werden in einer Gruppe versammelt und aus sicherer Entfernung mit einem Maschinengewehr in Schach gehalten. Der Banditenchef tritt zu der Gruppe und fordert das Geld. Es folgt die Drohung: "Bei wem wir nach der Herausgabe des Geldes noch einen Franc finden, der wird erschossen". Gleichzeitig wird erklärt: "Wenn ihr telefoniert, werdet ihr alle sofort erschossen", ein erstes Indiz dafür, dass die Banditen wissen, was Satellitentelefon ist und dass das für sie eine Gefahr darstellen kann. Wir verfügen über zwei Funkgeräte mit geringer Reichweite und zwei INMARSAT- Satellitentelefone zum weltweiten Telefonieren. Während ein Bandit die Gruppe weiterhin mit einer Waffe bedroht, beginnen die übrigen Banditen die Fahrzeuge zu durchsuchen und Ausrüstungen von den MAN-Fahrzeugen in die Geländewagen (zwei Mercedes G, zwei Mitsubishi-Geländewagen) zu befördern. Es bleibt sehr lange unklar, wie viele Fahrzeuge sie rauben werden. Es werden Funkgeräte, Ferngläser, Satellitentelefone, Navigationsgeräte, Aktentaschen, Laptops, Kameras aus den Fahrerhäusern geworfen und umgeladen. Aktentaschen werden nach Geld gefilzt und z.T. freigegeben. Auch Werkzeug, Kochgeschirr, Lebensmittel, Bekleidung, ein Ärzte-Notfallkoffer werden geraubt. Armbanduhren werden nicht geraubt, Geldgürtel nicht erkannt. Einige der Banditen filzen die Fahrzeuge und finden vereinzelt verstecktes Geld, was die Spannung spürbar erhöht. Vor der Expedition waren die Teilnehmer aufgefordert worden, Geld und Papiere auf zumindest drei Depots zu verteilen. Unserer Aufforderung, uns die Dokumente zu überlassen, wird stattgegeben, aus einem Fahrzeug nach dem anderen können die Papiere entnommen werden. Das ist jedoch sehr gefährlich, weil die Papiere zumeist zusammen mit Geld versteckt sind. Angesichts der Todesdrohung beim Auffinden von verborgenem Geld gelingt es nicht alle Pässe und KFZ- Papiere zu retten. Während die einen Banditen filzen, beginnt ein anderer den Treibstoff routiniert aus den Haupttanks in Treibstoffkanister umzufüllen, dann aus den Kanistern ihr eigenes Fahrzeug und die vier Geländefahrzeuge der Expeditionsteilnehmer aufzutanken. Damit wird klar, dass sie alle vier Geländewagen rauben möchten, die MANs aber mangels Fahrer und wegen deren Auffälligkeit und schlechten Verwertbarkeit in der Sahara zurücklassen werden. Versuche des Reiseleiters Sadok Kechicheb und des Veranstalters Klaus Därr, mit Tricks die unverdächtig verpackten Satellitentelefone wieder zurückzuerlangen, scheitern leider. Die Aufforderung an die Banditen, uns warme Jacken, etwas Kleidung und notwendige Medikamente zu belassen, wird respektiert. Auch die Aufforderung von Klaus Därr, ausreichend Treibstoff zu belassen, damit man die nächste Oase Ouadane noch erreichen könne, wird respektiert, man unterlässt weiteres Abzapfen und weist darauf hin, dass in einem MAN noch Treibstoff in einem Gefahrgutbehälter vorhanden sei. Es folgt aber die Frage: "Wie weit ist es bis Ouadane?", ein erstes Indiz dafür, dass die Banditen aus dem unbewohnten NO kamen und nicht aus Ouadane. Wir antworten: "200km", obwohl wir dank GPS wissen, dass es nur noch 100km Luftlinie sind. Das Wort "nur" wird hier verwendet, weil die Entfernung zur letzten ständigen menschlichen Ansiedlung "Adrar" in Algerien, von der wir kamen, ca. 2.400km beträgt. Wir werden gefragt, wie weit unsere Geländefahrzeuge mit einer Tankfüllung fahren können. Aus einem 200l-Faß auf der Ladefläche des Tatfahrzeugs wird Wasser abgelassen, wohl um Gewicht zu sparen und schnell voranzukommen. Daraus könnten wir schließen, dass es bis zu deren nächstgelegenem Depot oder einem unbewohnten Brunnen nicht sehr weit ist. Nach zwei Stunden haben die Banditen ihre Beute in den vier zu raubenden Geländefahrzeugen verstaut, der Chef lässt bei einem MAN die Luft aus einem Hinterreifen ab, um unsere Abfahrt zu verzögern. Die Intervention von Sadok, nicht noch aus weiteren Reifen Luft abzulassen, wird zögernd respektiert, das Ventil des abgelassenen Reifens ausgehändigt. Es wird uns gesagt: "Ihr wisst ja, wie ihr ohne GPS nach Ouadane kommt, weil es Markierungen gibt". Die Banditen verlassen mit ihrem und unseren vier Fahrzeugen den Tatort auf den Spuren, in welchen sie gekommen sind. Die Steinmännchen als Markierungen für unsere Weiterfahrt sind allerdings sehr spärlich, oft außer Sichtweite und im steinigen, mit Büschen durchsetzten Gelände oft nur schwer auszumachen. Wegen der unangenehmen Mischung aus groben Steinen und weichem Sand sind die vereinzelten Fahrspuren sehr weit verteilt und führen häufig außerhalb des Sichtbereiches der Markierungen. Die Banditen glaubten, uns aller GPS- Navigationsgeräte entledigt zu haben, hatten aber ein fest eingebautes Zweitgerät in einem MAN übersehen. Damit gelang es, nach siebenstündiger Fahrt durch die beschriebene extrem unangenehme Mischung aus großen Steinen und weichem Sand Ouadane zu erreichen. Fazit: Man wollte uns berauben, aber nicht töten oder verletzen. Es hätte weit schlimmer kommen können. Die Banditen: Fünf Männer mit schwarzem Chech um den Kopf, in grün- schwarz- braunen Tarnuniformen (Camouflage) und zivilem Schuhwerk. Die Tarnfarbe der Uniformen ist anders als die der mauretanischen Armee, sie ist insgesamt dunkler, also dunkler braun, z.T. schwarz, grün. Der Chef trug moderne Ledermokassins, wie solche der bekannten Marke Timberland. Alter ungefähr 30-40 Jahre, der Chef vielleicht bis ca. 45, braune, helle Hautfarbe, z.T. Bärte, also Saharabewohner, keine Schwarzafrikaner. Einer wird "Abderrahmane" gerufen. Dem Gesichtsausdruck nach auch keine typischen Mauren oder Saharaoui, obgleich natürlich auch in Mauretanien und der W- Sahara unter den Saharaouis nicht nur typische "Mauren" zu finden sind. Bewaffnung: Drei Kalaschnikov, eine davon "Fallschirmspringerversion" mit umklappbarer Schulterstütze, eine zweite mit einem blauen Schulterband. Die Täter benutzen einen weißen oder fast weißen Toyota Land Cruiser Pickup Diesel ohne Kennzeichen bzw. mit einer auf die Stoßstange gepinselten Fantasienummer. Bemerkenswert ist, dass es sich um ein Diesel-Fahrzeug handelt, denn Gendarmerie, Schmuggler, Banditen, Revolutionäre und Rebellen in anderen Teilen der Sahara benutzen zumeist möglichst starke, schnelle Benzin-Fahrzeuge. Die Täter sprachen untereinander Arabisch, mit uns flüssig, aber nicht perfekt Französisch. Sie konnten fachgerecht mit Waffen umgehen, konnten alle Auto fahren, hatten eine Vorstellung davon, was Satellitentelefone und GPS-Navigationsgeräte sind und welche Gefahr diese Geräte für sie darstellen. Sie nahmen alle Tätigkeiten sehr zügig, routiniert vor und hatten offensichtlich Erfahrung. Wir halten es für durchaus möglich, das es die gleichen Täter waren, welche im Vorjahr bei Tichit in S- Mauretanien die Rallye Paris-Dakar ausraubten. Die Neigung bei den Ortsbehörden in Mauretanien und der W- Sahara ist groß, die Banditen den Tuareg oder der Polisario zuzuordnen, was ich jedoch nicht tun möchte, weil es uns an eindeutigen Indizien für diese Volkszugehörigkeit fehlt. Es könnten auch marodierende Soldaten aus Cheggat in Mauretanien oder aus N- Mali oder Banditen anderer Volksgruppen der westlichen Zentralsahara sein. Für Geld benutzen sie zeitweise das ungewöhnliche Wort "Draham" (= Dirham in Marokko?). Ich gehe aber davon aus, dass die Banditen ihr Lager im riesigen, praktisch unbesiedelten N- Mali haben, um von dort aus Streifzüge bis weit hinein nach Mali, Mauretanien und SW- Algerien zu unternehmen. Die Flucht nach Ouadane Zwei Stunden nach Beginn des Überfalls, also um 12h mittags, fuhren die Täter mit fünf Fahrzeugen in Richtung N ab. Ich übergab die Regie dem teilnehmenden Arzt "Eike" in der Annahme, dass bei Wegfall des äußeren Druckes einer von uns einen Nervenzusammenbruch erleiden könnte. Bis zur Abfahrt der Banditen waren alle Expeditionsteilnehmer sehr angespannt, aber gefasst und ruhig. Wir erwarteten auch, dass zumindest ein Fahrzeug zurückkommen würde, um zu kontrollieren, ob wir nicht doch noch telefonieren könnten. Nach einer viertel Stunde hörten wir ein Motorengeräusch, sahen aber kein Fahrzeug. Daraus schlossen wir, dass die Banditen in Entfernung von uns die Fahrtrichtung von N z.B. nach SO verändert hatten. Als sie nicht wieder auftauchten, pumpten wir das Hinterrad des einen MAN wieder auf, schufen provisorische Sitzplätze in den verbliebenen Fahrzeugen, verstauten die umherliegende Ausrüstung, mit welcher die Banditen nichts anfangen konnten, und fuhren los. Das beschriebene schwierige Gelände ließ nur mäßige Geschwindigkeit zu, und wir gerieten in das Dünengebiet im Krater "Guelb er Richat", was zu häufigem Einsanden führte. Bei einem MAN ging der Treibstoff im Haupttank aus, es musste aus dem innen beförderten Gefahrgutbehälter nachgetankt werden. Dazu fehlten aber die geraubte elektrische Treibstoffpumpe, das geraubte Werkzeug und die bisher verwendeten Schläuche. Mit Improvisationskunst gelang es, langsam mittels eines kleinen Wasserschlauches Treibstoff umzufüllen. Bei beginnender Abenddämmerung, die hier Mitte Dezember schon vor 18h eintritt, fanden wir einen Aufstieg aus dem Krater zurück auf das Plateau, wo wir streng nach Navigation über extrem felsiges Gelände in Richtung Ouadane fuhren. Die scharfkantigen Felsen und der Versuch, zügig zu fahren, führten zu einem Reifenschaden an einem der MAN. Der Reifen musste gewechselt werden, was bei Reifen dieser Dimension ein zeitraubendes Unterfangen ist. Wir mussten aber Ouadane erreichen, weil viele Expeditionsteilnehmer kein Zelt, keinen Schlafsack und keine Liegematte mehr hatten. Manche standen gänzlich ohne Gepäck, Papiere und Fahrzeug da. Deshalb fuhren wir jetzt langsamer im Scheinwerferlicht streng nach Navigation in Richtung Ouadane und erreichten die Oase um ca. 19h. Es erfolgte sofortige Meldung bei der örtlichen Gendarmerie, die auch sofort Funkverbindung mit der vorgesetzten Dienststelle in Atar aufnahm. In der gegenüberliegenden "Auberge" fanden wir Unterkunft in einfachen Räumen mit Matratzen und Decken. Die Aufnahme war außerordentlich freundlich, wir wurden mit Tee und Erfrischungsgetränken bewirtet und konnten ein Abendessen einnehmen. Der Gendarmerie und der Bevölkerung war tiefe Betroffenheit über den Raubüberfall anzumerken. Die Weiterfahrt nach Nouakchott und Rückreise nach Deutschland Am Morgen nach unserer Ankunft in Ouadane war bereits um 6h der Kommandant der Gendarmerie aus dem 200km entfernten Atar mit mehreren Fahrzeugen eingetroffen. Er verfügte über Funk und stand mit dem Generalstab in Nouakchott in Verbindung. Es wurde ein ausführliches Protokoll aufgenommen, angeblich auch sofort mit einem Suchflugzeug die Suche nach den Spuren der Banditen auf den Weg geschickt. Wir hatten die Koordinaten des Tatortes angegeben. Gegen Mittag trafen einige Militär- LKWs mit Soldaten ein, welche die Suche aufnehmen sollten. Am frühen Nachmittag verließen wir in unseren MAN und in den Fahrzeugen der Gendarmerie Ouadane und trafen in der Abenddämmerung in Atar ein. Dort wurden wir auf Kosten des Gouverneurs im Hotel untergebracht. Von dort konnten wir in Deutschland per Telefon den Überfall und den Umstand melden, dass wir nicht verletzt sind. Am nächsten Tag ging die Fahrt in Begleitung eines Gendarmeriefahrzeuges weiter nach Nouakchott, wo wir in einem Hotel internationalen Standards auf Kosten der Présidence untergebracht wurden. Die Deutsche Botschaft in Nouakchott kümmerte sich mit Hochdruck um unser Problem, indem sie uns Verluste bescheinigte, Flugtickets besorgte, Kontakt mit den Behörden Mauretaniens hielt und für die zwei Fahrzeuge sowie vier Personen die Ausnahmegenehmigung zur Ausreise nach Norden in die W- Sahara beschaffte. Die Deutsche Botschaft setzte dabei all Ihre Kräfte und Verbindungen in Bewegung. Die mauretanischen Behörden hatten auch von Anfang an alles in Bewegung gesetzt, was in ihrer Macht stand, es ist aber nicht zu übersehen, dass deren technische Möglichkeiten sehr begrenzt sind. Leider findet eine wirksame grenzüberschreitende Verfolgung der Banditen mangels ausreichend intakter Fahrzeuge, ausreichend Treibstoff, Funk- und Navigationsgeräten nicht statt. So werden die Banditen wohl binnen eines Tages die Grenze nach N- Mali erreicht haben und damit vor sofortiger Verfolgung sicher gewesen sein. Die Verluste: Es entstand ein materieller Verlust in Höhe von ca. 350.000 DM, von welchem nur ein kleiner Teil versicherbar und versichert war. Es wurden geraubt: 1 x Geländewagen MERCEDES 300 G TD neu, grün 1 x Geländewagen MERCEDES 290 GD, gebraucht, rot (auf der Homepage zu sehen). 1 x Geländewagen MITSUBISHI Pajero, neu, weiß 1 x Geländewagen MITSUBISHI L200, gebraucht, rot 6 x GARMIN Navigationsgeräte, verschiedene Modelle 2 x NERA Satellitentelefone, 2 x Laptop, 6 x Fotoapparat, 2 x Funkgerät, 1 x Fernglas viele Dokumente, Geld, Kleidung, Werkzeug, Proviant, Dieselöl, Zelte, Schlafsäcke, Liegematten, Hemden mit der Aufschrift "DEUTSCHMANN". Rekonstruktion der Vorgeschichte: Ein Überfall dieser Art öffnet der Spekulation über Art, Motivation und Herkunft der Täter Tür und Tor, schärft aber auch die Sinne und das Erinnerungsvermögen. Nach der Tat begannen wir die Anzeichen zu erkennen, die uns vorher hätten auffallen können, an deren Ergebnis wir aber nichts hätten ändern können. In den letzten zwei Tagen vor dem Überfall sah ich mehrfach eine einzelne ganz frische Spur eines Geländewagens im Sand. Sie bog einmal unmotiviert scharf ab, zweimal drehte sie mitten im Nichts unmotiviert um. Einmal sah ich ein weißes Fahrzeug am Horizont sich von einem Brunnen entfernen. Einmal sah eine Expeditionsteilnehmerin in der Entfernung ein weißes Fahrzeug, das in die gleiche Richtung fuhr wie wir, sich aber nicht, wie in der Sahara üblich, näherte. Einmal sah ein Expeditionsteilnehmer einen Lichtblitz in der Mittagssonne, der die Reflexion des Sonnenlichtes in einer Fensterscheibe des Fahrzeugs sein konnte, dessen Besatzung uns verfolgte, beobachtete und letztlich überfiel. Ich bin heute der Überzeugung, dass wir seit zumindest zwei Tagen vor dem Überfall verfolgt und beobachtet wurden. Das heißt erstens, dass die Banditen aus dem äußersten N Mauretaniens oder Malis kamen, und führt zweitens zu der Vermutung, dass wir von Saharaoui- Nomaden in W- Algerien, N- Mali oder N- Mauretanien, von Soldaten des Militärpostens von Cheggatt/Mauretanien oder des Postens von Chenachen/Algerien an die Banditen verraten wurden. Ich kann mir das bei allen genannten Personenkreisen nicht vorstellen, habe aber keine andere Erklärung dafür, dass wir aufgefunden werden konnten. Mein Verdacht: Wir wissen, dass die Gendarmerie in Mauretanien mit offenem, unverschlüsseltem, nicht per Richtfunk gesendetem Funk arbeitet. Das konnten wir in Ouadane selbst beobachten und so ist auch die Information über den Überfall sehr schnell in Frankreich in die Presse gelangt. Ich vermute, dass die Banditen ihre Basis in N- Mali haben, z.B. in Terhazza oder nördlich davon. Sie könnten dort einen Funkspruch der mauretanischen Gendarmerie abgehört haben, der von Chegga (Cheggatt) an Nouakchott oder Zouérat gerichtet war und in dem unser Konvoi von sechs Fahrzeugen gemeldet wurde. Sie brauchten dann nur nach Westen fahren, bis sie unsere frischen Spuren entdecken und diesen folgen. Unsere oben beschrieben Beobachtungen zeigen, dass wir die ersten Anzeichen für ein uns begleitendes Fahrzeug schon 500 km vor dem Tatort in etwa in Höhe des nördlichen Wendekreises gesehen hatten. Sie könnten uns zunächst verfolgt, dann beobachtet und schließlich überfallen haben. Der Tatort könnte dadurch bestimmt worden sein, dass deren Treibstoff knapp wurde und wir uns auch der Oase Ouadane näherten (sie betankten beim Überfall ihr Fahrzeug mit drei Kanistern, also ca. 60l unseren Diesels). Uns schon weit vorher auszurauben hätte unseren Tod bedeuten können, weil wir dann evtl. Ouadane nicht hätten erreichen können. Uns zu töten oder zu Tode kommen zu lassen war offensichtlich nicht beabsichtigt. Eine Spekulation: Ab Ouadane wurden wir, wie bereits beschrieben, durch die Gendarmerie beschützt, begleitet, betreut im besten Sinne des Wortes. Dabei wurde aber auch klar, wie problematisch deren Treibstoffversorgung, Kommunikation und Orientierung ist. Es ist denkbar, dass der extrem abgelegene, noch nicht sehr lange mit Soldaten besetzte Stützpunkt Cheggatt im äußersten Norden des Landes lange Zeit und/oder wiederholt ohne Versorgung geblieben ist und sich ein Eigenleben entwickelt hat. Von dort könnten die Banditen informiert worden sein, ihnen aber auferlegt worden sein die Tat in sehr großer Entfernung von Cheggatt, also in der Nähe von Ouadane zu verüben. Das Tatfahrzeug war jedoch kein Militärfahrzeug. Es wäre auch denkbar, dass Cheggatt gar kein Stützpunkt der mauretanischen Armee ist, sondern von Banditen besetzt ist, die sich auch einige Militärfahrzeuge angeeignet haben und eines davon auf Weiß umgespritzt haben. Schlussfolgerungen: 1) Ich würde heute den Großraum um N- Mali im Umkreis von ca. 700km um Terhazza nicht mehr besuchen. Dazu zählt in Mauretanien der Raum nordöstlich von Ouadane, in Mali nördlich von Timbouktou und in Algerien die Tanezrouft- Piste. 2) Wer viel reist, läuft in dieser Zeit Gefahr, im Reiseland Probleme zu haben und nicht in der Heimat. Er könnte in den Tropen Durchfall bekommen und nicht daheim BSE. Er könnte in der Sahara überfallen werden und nicht in Reichenhall einem Amokläufer zum Opfer fallen. Er könnte im Verkehrschaos von Lagos einen Autounfall haben und nicht einem Bombenanschlag am Haupteingang des Oktoberfestes in München zum Opfer fallen. 3) Wer wie wir einen Großraum der Erde besucht, in dem seit vielen Jahren kein Tourist oder fast keiner war, wird dort nicht erwartet, aber evtl. verraten und dann überfallen. Darf das jedoch heißen, dass man einen Raum in der Ausdehnung von 1.000km auf 1.000km nicht besuchen soll, weil dort mangels Opfer und Übermittler von Nachrichten seit Jahren keine Straftat dieser Art mehr bekannt geworden ist? 4) Zum praktischen Teil: Verstecken Sie Ihr Geld an drei bis vier Depots am Körper und im Fahrzeug. Füllen Sie ein Depot mit großen Scheinen mit wenig Wert, z.B. Libysche Dinare oder Italienische Lira, um damit zu blenden. Bewahren Sie keine Dokumente am gleichen Ort auf, wo auch Geld versteckt ist. Kopieren Sie Ihre Reisedokumente und verstecken Sie einen Satz Kopien im Fahrzeug, den zweiten Satz beim Reisepartner z.B. im Brustbeutel oder Geldgürtel. 5) Werfen Sie ein evtl. vorhandenes Satellitentelefon und GPS- Gerät beim Überfall bei günstiger Gelegenheit beim Fenster hinaus um es zu verstecken, z.B. mit Sand zu bedecken. 6) Nehmen Sie keine Waffe mit, aber protestieren Sie mündlich gegen einen Überfall. Dramatisieren Sie keine aussichtslose Situation, denn wer die Kalaschnikov hat, verfügt über die besseren Argumente und sollte nicht nervös gemacht werden. |
| Die Überfälle gehen weiter: |
| A) Am 3. Januar 2000 wurde eine Gruppe von deutschen und Schweizer Touristen in Mali auf der Tanezrouft- Piste südlich von Aguelhok ausgeraubt. Lesen Sie den Bericht des Opfers Martin Born. |
| B) Der Bericht den Raubmord an drei holländischen Touristen Ende Februar 2000. |
| Unsere Reiseroute: Mit der Fähre von Genua nach Tunis - Hammamet - Sousse - Sfax - Gabès, Tozeur - Nefta - El Oued - Touggourt - Berriane - Ghardaia - El Goléa, In Salah (ursprünglich war geplant In Salah - Tamanrasset - Tin-Zawatine, Kidal - Anefis, was aber wegen der Konvoi-Pflicht In Salah - Tamanrasset, und der damit verbundenen langen Wartezeit in In Salah kurzfristig geändert wurde!) - Reggane - Tanezrouft - Bordj-Mokthar - Tessalit, Anefis - Gao - Tombouctou - Bandiagara - Mopti - Djenné - San - Bobo- Dioulasso - Ouagadougou - Dapaong - Kara - Lomé. Die Route in Nord-Ost, Mali von Tessalit bis Gao wurde in den letzten 8 bis 10 Jahren (wegen der Rebellion) nur von wenigen Touristen befahren, sie galt zuletzt jedoch wieder als sicher. Teilnehmer: 5 Deutsche (Helga, Uschi, Zora, Helmut und Joachim) und 2 Schweizer (Albert und Martin) Touristen mit 2 Mercedes 240 Diesel T-Modelle, ein Mercedes 240 Diesel Limousine, 1 Peugeot 505 Benzin-Turbo Limousine und 1 Nissan Terrano Benziner. Ablauf des Raubüberfalls: Auf der Piste Tessalit - Gao (im Nord-Osten von Mali) wurde unsere Reisegruppe von 4 bewaffneten Banditen mit einem Toyota Land Cruiser überfallen und ausgeraubt. Ort und Zeit: etwa 25 km südlich von Aguelhok, GPS-Position N 19°14,86/ O 0°52.05, ca. 17.00 Uhr. Dieser Ort befindet sich etwa 3 km südlich einer ausgeschilderten Abzweigung Richtung Kidal. Die Räuber haben uns auf der Piste angehalten, schossen ca. 10-12 mal wild in der Gegend herum (es war lebensgefährlich, ich wurde dabei durch herumfliegende Steinsplitter an Bein und Bauch verletzt!!) und schrieen auf französisch Geld her oder Tod!! Dann fragten sie uns was wir hier machen, warum wir hier durchfahren, dies sei verboten für Touristen, ob wir nicht wüssten dass hier Krieg herrsche ? Danach trieben sie uns alle an einem Ort zusammen, wo sie uns gut überwachen konnten. Anschließend musste jeder von uns einzeln zu den Banditen und sämtliches Geld hergeben (Alle Portemonnaies aus den Autos holen und alles was man auf sich trägt abgeben), anschließend wurde man noch persönlich durchsucht (Erstaunlicherweise haben sie ohne dass wir danach fragten die Pässe und Ausweise aussortiert und zurückgegeben!). Zu diesem Zeitpunkt dachten wir eigentlich sie würden sich mit dem Geld zufrieden geben und anschließend wieder abziehen. Dies war jedoch ein Irrtum, denn nun begannen die Räuber selber die Autos zu durchsuchen und luden alles was sie gebrauchen konnten in den Geländewagen meines Schweizer Kollegen, danach betankten sie diesen mit unserem Reservebenzin. Jetzt wurde uns klar, dass sie auch mindestens ein Auto mitnehmen würden. Als der Nissan voll beladen war und es immer noch Sachen zu verstauen galt, verlangten die Banditen den Schlüssel des Peugeot und testeten ob dieser läuft. Warum gerade der Peugeot und nicht ein Mercedes ? Vermutlich weil ein Benziner schneller ist. Als nach unendlich langen 2 bis 3 Stunden - inzwischen war es schon längst dunkel - alles durchwühlt und aussortiert war, befahlen sie uns die übriggebliebenen Sachen in die restlichen Autos zu laden - die zwei Autos gefüllt mit allen gestohlenen Sachen haben sie uns wir erwartet weggenommen !! - einzusteigen und sofort zu verschwinden. Als wir uns auf den Weg machten, kam der 4. Bandit mit dem Toyota Land Cruiser aus seinem Versteck hervor - er hatte sich während des Überfalls vermutlich als Rückendeckung oder als Horchposten versteckt (wobei auf dieser Strecke praktisch kein Verkehr herrscht, ebenso ist weit und breit kein Polizei- oder Militärposten zu finden) - und zusammen mit unseren 2 Autos fuhren sie dann wie gestört (mir war jetzt schon klar, dass die mit ihrem Fahrstil mit dem Peugeot- PKW nicht weit kommen würden) hinter uns her und hetzten unsere Fahrzeuge über eine teilweise schlechte Steinpiste und durch Oueds vor sich hin, wir aber ließen uns nicht beeindrucken und fuhren sehr langsam (zwischen 20 und 40 km/h) um nicht einen Schaden an unseren übriggebliebenen Autos zu riskieren. Die Räuber wurden so ziemlich nervös und immer wieder fuhren sie hupend und lichthupend neben uns her und deuteten wir sollen schneller fahren. Nach ca. 30 km (inzwischen war es fast Mitternacht) kamen wir zu einer längeren Oued - Durchquerung mit tiefen Spuren und viel Weichsand vor welchem wir stehen blieben und uns entschlossen aus Sicherheitsgründen (Einsanden oder kaputtfahren unserer Autos) nicht mehr weiter zu fahren, die Banditen waren inzwischen etwas zurückgeblieben und fuhren auch einige hundert Meter links der Hauptpiste, wir dachten dass sie jetzt zu ihrem Versteck fahren würden, dies war jedoch nicht der Fall und einige Minuten später kamen die Banditen wieder angebraust und befahlen uns, wir wollten sofort weiterfahren, nach einigen heftigen Diskussionen verleidete es den Banditen anscheinend und sie fuhren mit den drei Autos ziemlich rasant und ohne Rücksicht auf Verluste durch den Oued in südlicher Richtung auf der Hauptpiste davon. Einige Zeit später sahen wir auf der anderen Seite des Oued Lichter in unsere Richtung kommen, wir befürchteten dass die Räuber zurückkommen würden, doch die Lichter verschwanden wieder. Das gleiche wiederholte sich 3 bis 4 mal im Abstand von etwa einer halben Stunde, wir über legten und dass da drüben vielleicht ein Dorf sei. In dieser Nacht hat jedenfalls keiner von uns ein Auge zugetan. Am nächsten Morgen fuhren wir dann durch den Oued und als es auf der anderen Seite wieder hoch ging sahen wir eine lange Ölspur den Berg hinauf und wie befürchtet (oder zum Glück) stand auf der anderen Seite des Hügels der Peugeot am Pistenrand, die Fenster waren teilweise offen, der Zündschlüssel steckte, als wir dann unter den Motor schauten bemerkten wir ein grosses Loch in der Ölwanne, ansonsten war der Wagen intakt! Die Banditen fuhren also nur etwas mehr als 30 km weit mit dem 505, dann war er schon kaputt! Der Motor sprang problemlos an, es musste also nur das Leck geflickt und wieder Oel eingefüllt werden, dann lief das Auto wieder! Frage: Warum haben die Räuber so schnell bemerkt, dass der Peugeot kaputt war, haben sie etwa auf die Anzeigen im Armaturenbrett geschaut ? Jedenfalls haben sie sofort angehalten, wollten sie etwa das Auto am nächsten Tag abschleppen oder reparierten ? Warum haben sie's nicht gleich in der Nacht abgeschleppt, die hatten ja genügend Seile von uns geklaut ? Auf jeden Fall war uns klar warum die Lichter in der Nacht immer wieder kamen und gingen (das vermutete Dorf war weit und breit nicht zu sehen!), Die Räuber mussten alle Ware aus dem Peugeot in die anderen Fahrzeuge umladen, resp. in unserem Nissan, den sie inzwischen möglicherweise in einem nahen Versteck entladen hatten! Ihr Toyota hatte vermutlich kein Licht mehr, denn dieser war meistens ohne Licht hinter uns her gefahren! Wir entschlossen uns den Peugeot vorerst abzuschleppen um möglichst schnell von diesem Ort weg zu kommen, später flickten wir das Loch in der Ölwanne dann mit Zweikomponenten-Kitt und füllten Öl ein und das Auto lief wieder. Wir fuhren weiter Richtung Gao und hofften vielleicht einige Spuren der Banditen auszumachen, befragten auch die spärlich anzutreffenden Leute, die jedoch wussten nichts oder wollten nichts wissen! Diese Leute halten zusammen, es profitieren sicherlich einige von dem Diebesgut, inkl. Polizei und Militär! Weiterreise: Vom Ort des Überfalls bis nach Gao waren es noch ca.400 km zu fahren, unterwegs trafen wir jedoch nirgends Polizei oder Militär, so dass wir am 6. Januar in Gao ankamen und sofort Meldung bei der Polizei machten. Der Polizeikommissar bedauerte den Vorfall, er erstellte den Polizeirapport, schrieb den Tathergang gewissenhaft auf, erstellte eine Liste der gestohlenen Sachen und wollte eine genaue Beschreibung der Täterschaft. Uns gegenüber versicherte er den Vorfall sofort der Regierung von Mali zu melden und alles zu unternehmen dass so was nicht wieder passiert, anderntags würde man sofort einen bewaffneten Militärkonvoi ins betroffene Gebiet schicken! Während den nächsten Tagen fuhren wir dann auf dem kürzesten Weg weiter um schnellstmöglich nach Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso zu gelangen. In Ouagadougou meldeten wir den Vorfall sofort der deutschen Botschaft, sowie dem Schweizer Konsulat. Das Schweizer Konsulat von Burkina Faso meldete den Überfall sofort weiter an das Schweizer Konsulat in Bamako (Hauptstadt Mali). Mitte Januar flogen wir zwei Schweizer nach Hause, die fünf Deutschen fuhren noch weiter bis nach Lomé (Togo) und flogen dann von dort nach Hause. Was wurde geraubt: Geraubt wurde unter anderem: Fast alles Bargeld, Fotoapparate mit Zubehör, Satelliten- Navigationsgeräte (GPS), Kartenmaterial, Autoersatzteile, Ersatzräder, Werkzeug, Wagenheber, Schlafsäcke, Windjacken, Reisetaschen mit Kleidern, Kocher, Essgeschirr, Lebensmittel, Getränke, Medikamente, Sonnenbrillen, Armbanduhren, Kühlschränke, Taschenlampen, Seile, Ersatzkanister mit Benzin, Wasser usw. Die Täter: Bei den Banditen handelte es sich möglicherweise um Tuareg- Rebellen, oder sie haben sich als solche gekleidet, sie trugen graue oder braune lange Kleider, darüber hellbraune kurze Jacken (keine farbigen Uniformen), die Hautfarbe war eher hellhäutig, also keine Schwarzen, alle trugen Kopftücher (Chech), jeder hatte ein Gewehr. Mit uns sprachen sie recht gut französisch, untereinander wahrscheinlich arabisch. Politische Hintergründe dieses Überfalls sind nicht ausgeschlossen. Ihr Fahrzeug war ein weißer Toyota Land Cruiser Pickup mit wahrscheinlich roten Filets, dass sie von uns keine Kanister mit Diesel mitnahmen lässt darauf schließen dass es sich um einen Benziner handelt. Wie wurden die Räuber auf uns aufmerksam ? Beim Zoll in Tessalit wurden unsere Fahrzeuge ganz genau kontrolliert, man wusste somit genau bescheid was wir mitführen würden, ein Zöllner war ständig damit beschäftigt Meldungen übers Funkgerät durchzugeben, evtl. in die nächste Ortschaft oder nach Gao, die Meldungen waren von uns nicht zu verstehen, es könnte aber durchaus sein dass man von uns sprach, dass unsere Durchfahrt angekündigt wurde. Diesen Funkverkehr könnten die Banditen abgehört haben (da wahrscheinlich keine verschlüsselten Meldungen!). Oder die Räuber haben Spitzel mit Funkgeräten in Tessalit oder Aguelhok, welche das Durchfahren von Touristen ankündigen. Da wir uns darüber hinaus zwecks Reparatur zweier Autos anschließend noch zweieinhalb Tage in Tessalit aufhalten mussten, hatten die Räuber genügend Zeit sich einen geeigneten Ort für den Überfall auszusuchen, es gibt ja praktisch nur eine befahrbare Piste durch dieses Gebiet, sie brauchten somit nur auf uns zu warten. Dass sie es gezielt auf uns abgesehen hatten wurde mir erst zu Hause richtig klar. Am Morgen des 3. Januars begegneten uns zwischen Aguelhok und Tessalit Schweizer mit 2 Geländewagen - also in der Gegenrichtung. d.h. aus der Richtung aus der die Banditen kamen! Da mir diese 2 Autos anhand der Nummernschilder bekannt vorgekommen waren, erkundigte ich mich - wieder zurück in der Schweiz - am 18. Januar in Ins nach diesen beiden und wurde schnell fündig, denn einen von ihnen kannte ich vom Atlas Travel Shop in Ins. Ich befragte ihn wie es denn ihnen auf dieser Strecke ergangen sei ? Ihnen war jedoch unterwegs nichts Verdächtiges aufgefallen, sie wären auch sehr schnell unterwegs gewesen um möglichst rasch von Timbouctou nach Tessalit zu kommen. Wie es einer weiteren Reisegruppe aus Köln mit 5 Fahrzeugen - diese hatten wir in El Goléa getroffen und sie hatten ebenfalls im Sinn die Tanezrouft hinunterzufahren - ergangen ist konnten wir noch nicht ausfindig machen, sie kamen auf jeden Fall nach uns nach Mali! Gemäss einem Telefongespräch mit Klaus Därr vom 22. Januar, sollen diese jedoch heil durchgekommen sein, denn Klaus Därr habe mit einer Frau aus Duisburg gesprochen, die wahrscheinlich dieser Reisegruppe angehörte und die inzwischen ebenfalls wieder in Deutschland war. Fazit: Wie man es von ähnlichen Überfällen in dieser Region schon gehört hat, wollten die Räuber uns ausrauben, nicht aber verletzen oder gar töten, eine Gegenwehr wäre sicher zwecklos und lebensgefährlich gewesen, diese Leute sind schwer einzuschätzen, mit Waffen können sie jedenfalls gut umgehen. Die Banditen lassen einem normalerweise soviel, dass man aus eigener Kraft weiter kommt, d.h. Pässe, Kleider, Wasser, Lebensmittel und zumindest ein Fahrzeug. Das Gebiet Nord-Mali ist entgegen anderslautender Aussagen nach wie vor nicht sicher, man sollte es nach Möglichkeit vermeiden diese Gegend zu bereisen, d.h. möglichst großräumig umfahren. Auf der Tanezrouft- Piste zwischen Reggane und Bordj Mokthar (Algerien) gibt es inzwischen bei km 205 (von Reggane) und beim Bidon V jeweils ein grösseres Militärlager, und es scheint, dass die Algerier eine bessere Kontrolle (Patrouillen mit mehreren neueren Toyota Land Cruisern) über dieses praktisch menschenleere Gebiet haben als die Kollegen in Mali. Falls man trotzdem von Tessalit nach Gao fahren möchte, sollte man diese Strecke möglichst rasch zurücklegen, übernachten nur im Schutz von Dörfern und nicht nachts fahren. Eventuell einheimische Führer mitnehmen oder Polizei resp. Militärbegleitung anfordern (dürfte wahrscheinlich nicht machbar sein). |
| B) Three Dutch desert travellers were killed in the north of Mali, probably by cigarette smugglers, in the week of February 25 th.,last. The three men, A. Uittenboogaard (44), F. Smit (41) and H. Sint (37) were very experienced Sahara travellers, with extensive local know-how, relevant equipment, well versed in navigation and fluent in Arabic. Smit was a diplomat and arabist, having worked in the region for many years. Because it was at first thought that a kidnapping had taken place, assistance from a special search and negociation team from the Dutch Police was offered and accepted by Malinese authorities. A unit of the Malinese army, with three Dutch police specialists, found the bodies of the men, shot at short distance through the chest. Their vehicles and equipment have not yet been found. Four men have been arrested on suspicion of murder. The Dutch Ministry for Foreign Affairs sees no reason for giving a negative travel advice for the region. |
| Abdruck honorarfrei gestattet, wenn keine sinnentstellenden Veränderungen vorgenommen wurden. Es muss ein Hinweis darauf untergebracht werden, dass die aktuellste Version des Berichtes in Internet zu finden ist unter: www.klaus.daerr.de/Raubueberfall.htm |
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