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Korruption
ist eine weitverbreitete Erscheinung in fast allen Ländern der Erde. Auch
in Europa ist sie bei Beschaffungs- und Genehmigungsstellen anzutreffen.
In Afrika werden Beamte oft monatelang von ihren Dienststellen nicht
entlohnt. Sie haben keine andere Möglichkeit als sich über Schmiergelder
zu finanzieren. Davon müssen sie ihren Vorgesetzten abgeben, was nach
festem Verteilschlüssel bis hinauf in Regierungskreise gehen kann. Wer
kein Schmiergeld einsammelt wird ans Ende der Welt versetzt wo täglich
nur ein ohnehin zahlungsunfähiger Einheimischer vorbeikommt. Dabei zeigt
man sich eher bescheiden, so ist z.B. in St. Louis im Senegal bei
fehlendem Feuerlöscher der Tarif für Ausländer 1.000 CFA = 3 DM und für
Einheimische 500 CFA = 1,50 DM. Natürlich wartet der Kontrolleur erst
einmal ab, ob der unerfahrene Tourist nicht aus Angst selbst viel mehr
anbietet.
Als unerfahrener, armer Student mit altem Post- Paketwagen war ich weit
eher der Schmiergelderpressung ausgesetzt als jetzt, wo ich in reiferem
Alter mit Geländewagen daherkomme. Es wird eben befürchtet, dass ich
mich besser auskenne, bessere Verbindungen habe und es wird erkennbar, dass
ich mich nicht nervös machen lasse. In vielen Fällen lässt sich das zu
vermutende, aber nicht explizit ausgesprochene Begehren nach Schmiergeld
mit Ruhe und freundlichem Smalltalk aussitzen. Die Staatsbediensteten ganz
in, teilweise in oder ohne Uniform verlieren das Interesse am Touristen
sobald sich ein Buschtaxi oder LKW nähert. Da gibt es garantiert
etwas zu holen, denn es befördert sicher mehr Passagiere als zulässig,
ist technisch zu beanstanden, völlig überladen oder hat unzulässige
Fracht. Auch überschwängliche Freundlichkeit des Touristen schon bei
Ankunft kann dazu führen, dass die einheimische Obrigkeit dieses beste
Einvernehmen nicht durch schnöden Wunsch nach Bargeld zerstören möchte.
Wer sich als Polizist oder Zöllner im Afrikaurlaub outet wird nach kurzem
Plausch als Kollege natürlich durch gewunken. Oft lässt sich das
Begehren dem Touristen etwas abzuknöpfen auch mit geradezu lächerlichen
Kleinigkeiten befriedigen. Ich frage mich oft, was die uniformierten
Kontrolleure an den "Zockpoints" (oder heißt das eigentlich
Checkpoints?) mit all dem Kleinkram anfangen, den sie da mit sportlichem
Ehrgeiz einsammeln. Die müssen ja ganze Hinterhöfe voll mit
Kugelschreibern, Aufklebern, Musikkassetten, Bonbonpapierchen und
Zigarettenschachteln haben.
Insbesondere vor großen örtlichen Festlichkeiten ist jedoch der Bedarf
an Bargeld groß.
Wird es wirklich ernst, so sind drei Dinge fällig: Eine Schachtel
Zigaretten oder Flasche Bier für den sofortigen Genuss, etwas Geld, das
bei der Frau oder sonstigen Vorgesetzten abgeliefert wird sowie eine
Sonnenbrille, Swatch- Uhr oder schöner, schwerer, dicker Kugelschreiber
zur bleibenden Steigerung des Sozialprestiges.
Damit ich hier nicht missverstanden werde möchte ich betonen, dass ich
der Bestechung nicht das Wort reden möchte und nur in ernsten
unvermeidlichen Fällen etwas bezahle. Insbesondere möchte ich nicht die
Bestechlichkeit erst durch mein Angebot entstehen lassen oder fördern.
Tatsache ist jedoch, dass in wenigen armen, instabilen Ländern der Übergang
zwischen Verkehrskontrolle und Wegelagerei fließend ist und man sich dem
nicht immer entziehen kann. Auch wechselt die Situation in manchen Ländern,
sind die Staatsbediensteten seit Monaten nicht oder nur zum kleinen Teil
bezahlt worden, so ist die Abzocke unangenehm. Hat der Staat gerade einen
Auslandskredit erhalten und um einen Staatsstreich abzuwenden die Gehälter
nachbezahlt, so nimmt die freundliche, zuvorkommende Behandlung des
Reisenden wieder Überhand.
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