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In
den meisten Fällen wird nicht das Auto für die Reise gekauft,
sondern die Reise soll zeigen was für ein tolles Auto man sich zugelegt
und ausgerüstet hat. Natürlich gibt es auch nicht DAS Auto für die große
Reise. Ich kenne Traveller, die haben zu zweit auf einem Motorrad ganz
Afrika bereist und hatten eine herrliche Zeit, gelegentlich mit
beherrschbaren Problemen. Andere kaufen sich einen allradgetriebenen
4-achser MAN mit 32 Tonnen Gesamtgewicht, richten ihn für ein Vermögen
her, rüsten ihn für ein weiteres Vermögen aus, gehen dann doch nicht
auf Reise oder verladen ihn nach Namibia, weil des dort so gute Straßen
gibt.
Eigentliches Problem ist also nicht die Technik, sondern sind die persönlichen
Bedürfnisse des Reisenden.
Wer auf den großen Hauptverbindungsstrecken wie Atlantikroute,
Hoggarpiste oder Tanezrouftpiste bleibt kann das mit einem PKW bewältigen,
muss jedoch mit Schäden an den Reifen, Auspuff, Stoßdämpfern rechnen
und auf deren Reparatur vorbereitet sein. Neben Treibstoff, Wasser,
Lebensmitteln, Werkzeug und Verschleißteilen kann er nicht viel
transportieren. Er muss verhalten und hoch konzentriert fahren um
Gewaltschäden durch dynamische Belastung des Fahrwerks bei
Bodenunebenheiten zu vermeiden. Touren mit PKWs werden zumeist von
semiprofessionellen Autoexporteuren, umgangssprachlich Autoschiebern
genannt, benutzt und in W- Afrika verkauft. Es werden dafür alle Arten
kleiner und mittlerer PKWs verwendet, früher PEUGEOT
504, möglichst als Kombi mit Dieselmotor, die später als Überlandtaxi
zumeist auf geteerten Straßen W- Afrikas zu sehen sind. Heute werden
"Japaner" aller Hersteller verschoben, die in W- Afrika als
Kleintaxi in den großen Städten Verwendung finden und alte MERCEDES Limousinen, die bei Kaufleuten und der Schicht höherer
Verwaltungsbeamten beliebt sind, bei denen es zu einem neuen Dienstwagen
nicht reicht. Die örtliche Ersatzteilversorgung ist dabei nicht so
wichtig, weil ohnehin nichts fachgerecht repariert wird. Das Thema
Verschleißteilversorgung ist hingegen zu beachten, einige Öl-, Treibstofffilter
und Luftfiltereinsätze, sowie ein Keilriemen mitzunehmen.
Die zweite Gruppe an Reisenden besteht aus den Geländewagenfahrern, die
auch Nebenpisten und freies Gelände bereisen möchten. Die meisten von
ihnen möchten das Fahrzeug wieder mit zurückbringen. Sie können
eigentlich mit einem beliebigen Geländewagen fahren, Dieselmotor und
16"-Bereifung ist jedoch sehr wünschenswert. Besonders geeignet
erscheinen mir TOYOTA Land Cruiser, MERCEDES Geländewagen
und Land Rover 110/Defender.
Wer einen Geländewagen sucht, der dann in Afrika verbleiben soll, der wählt
insbesondere Land Cruiser, die heute in den meisten Ländern der Sahara
und auch vielen Ländern Afrikas südlich der Sahara völlig dominieren
und bei Banditen, Revolutionären, Rebellen etc. sehr beliebt sind.
Haben Sie nun einen Anbieter eines geeignet erscheinenden Geländewagens
an der Hand, so fragen Sie ihn nach dem Kilometerstand und lassen ihn
stolz erzählen, wie viele Kilometer damit schon im Gelände und auf
Pisten gefahren ist. Rechnen Sie schön mit und multiplizieren sie diese
Kilometer mit 7 und addieren Sie zum Tachostand, denn der Handel rechnet
einen Geländekilometer als acht Straßenkilometer. Dann bekommt der
Anbieter einen riesigen Schreck, weil ihn diese Storys einige hundert Mark
Wertminderung zu kosten drohen , und er wird verhandlungsbereit was den
Preis betrifft.
Die dritte Gruppe, zu der ich derzeit auch selbst zähle, hat sich noch stärker
festgelegt und sich für ein großes allradgetriebenes Fahrzeug
entschieden, mit dem auch abgelegenste Regionen besucht werden können
ohne Mangel an Wasser, Treibstoff oder Lebensmitteln befürchten zu müssen.
Die Gruppe unterteilt sich in Traveller, die etwas mehr Geld ausgeben um
schneller und reparaturärmer fahren zu können und diejenigen mit der
schmalen Brieftasche, die mit Ex- Bundeswehrfahrzeugen langsamer reisen.
Als schnellere Fahrzeuge dieser Gruppe dominieren moderne Diesel- Unimogs
und der allradgetriebene MAN
L-2000 als Basisfahrzeug für die unterschiedlichsten Aufbauten. Von den
sparsameren Gruppe werden noch immer die unverwüstlichen
HANOMAG AL 28 oder neuerdings die IFA
- LKWs verwendet. Der Unterschied in der Marschgeschwindigkeit ist
nicht zu übersehen, denn ob man über die unendlichen Sandfelder z.B. der
Tanezrouft- Piste mit einem HANOMAG mit nur 35km/h zockelt, weil der dritte Gang es gerade mal
nicht mehr schafft oder einem MAN
L-2000 mit 80-90 km/h fährt kann mehrere Tage Unterschied in der Fahrzeit
ausmachen. Anhänger haben sich nicht bewährt, weil sie hinter dem
Zugfahrzeug unkontrollierbare Bocksprünge veranstalten. Wer dennoch mit
Anhänger fahren möchte wählt unbedingt einen mit gleicher Bereifung wie
die des Zugfahrzeugs.
Kauf eines Reisefahrzeugs
Unser besonderes Interesse gilt Geländewagen mit Dieselmotor und einen
höchstzulässigen Gesamtgewicht von zumindest 2,8 Tonnen, denn die werden
auf Antrag als LKW besteuert und sind dann steuerlich sehr billig.
Natürlich werden auch gebrauchte Reisefahrzeuge in den regionalen großen
Tageszeitungen angeboten. In größerer Auswahl findet man sie im
Kleinanzeigenteil der Zeitschriften TOURS,
4WHEEL FUN und OFF ROAD. LKWs kann man auch in Fachzeitschriften wie lastauto
- omnibus auftun.
Gerade bei ausgebauten alten Ex- Bundeswehrfahrzeugen und luxoriös
ausgebauten modernen LKWs glaube ich, dass die in den Angeboten genannten
Preise nicht erzielt werden. Da spielt bei der Preisvorstellung noch die
Erinnerung an die viele Arbeit eine große Rolle, nicht der Nutz- oder
Marktwert. Ein solches Fahrzeug kann oft nur ohne Verlust mit ins Grab
genommen oder mit Verlust verkauft werden. Die sehr aufwendig gebauten und
ausgestatteten großen 7,5 bzw.9 -Tonner LKWs bei deren Konzeption sich
der Vorbesitzer mit einigen 100.000DM selbst verwirklicht hat, gehen immer
wieder nur für einen Bruchteil des Gestehungspreises weg, denn wer bereit
wäre ebenfalls viel Geld auszugeben verwirklicht sich mit einen Neubau
selbst und kauft nicht den ausgestandenen Traum des Vorgängers.
Meine persönliche Wahl ist ein fast neuer MAN
L-2000, also ein starker 7,5-Tonner mit Allradantrieb und Einzelbereifung
als Basisfahrzeug und darauf ein LAK II, also ein sehr preiswert
erworbener Aufbau der Volksarmee mit selbstgebastelter einfacher, stabiler
Wohneinrichtung.
Günstige, für unsere Zwecke geeignete Fahrzeuge gibt es bei
Ausschreibungen der Bundeswehr, Postdienst, Stationierungsstreitkräfte,
Stadtverwaltungen, Verwaltungen der Bundesländer
und Versteigerungen von Polizeifahrzeugen. Dieser Weg der
Fahrzeugbeschaffung erfordert allerdings viel Zeit, Sachverstand und
Vertrauen, denn wo es bei den Fahrzeugen wirklich fehlt ist aus bürokratischen
Gründen oft nicht zu erfahren, Probefahrten sind schon überhaupt nicht möglich.
Fahrzeuge der Bundeswehr und vereinzelt auch anderer öffentlicher
Dienststellen werden von der VEBEG verwertet und im
Bundesausschreibungsblatt angeboten, das dreimal wöchentlich erscheint
und durchschnittlich eine Seite Angebote für Fahrzeuge enthält. Der
Preis für ein Halbjahres- Mindest- Abonnement beträgt DM 128.-. Ein Abo
oder unverbindliches Ansichtsexemplar gibt es bei:
Bundesausschreibungsblatt GmbH, Postfach 200180, D-40099 Düsseldorf,
Tel. 0211-370848-49, Fax. 0211-381607.
Das Blatt enthält überwiegend Ausschreibungen für Baumaßnahmen.
Deshalb kann man auch versuchen Verbindung zu einer nahegelegenen großen
Baufirma aufzunehmen um dort den kleinen KFZ- Teil des
Ausschreibungsblattes abzuziehen, den die Leute ohnehin nicht benötigen.
Die VEBEG selbst bietet auch ein FAX- Abrufsystem unter der Nummer
069-75897315 an.
Es werden auch spezielle Listen mit KFZ- Unterlagen herausgegeben.
Telefonisch sind die für KFZ zuständigen Mitarbeiter unter folgenden
Tel.- Nummern zu erreichen: 069-75897-372, - 374 und - 375. Natürlich ist
es wichtig die Geschäftsbedingungen und Gebotsscheine der VEBEG zu
erlangen.
Die in der Ausschreibung genannten Fahrzeuge müssen dann besichtigt
werden und ein Gebot eingereicht werden. Das Höchstgebot erhält den
Zuschlag, es kommt eine Rechnung und nach deren Bezahlung ein
Abholschein.
Die Streitkräfte Großbritanniens bieten gelegentlich Land Rover und
allradgetriebene Bedford- Trucks an:
Disposal Sales /BFG), Hampshire Barraks, Gladbacher Str.511, D-41179 Mönchengladbach.
Fahrzeuge der NATO sind oliv gespritzt, eine Farbe mit der die Einreise in
manche Länder untersagt wird. Sie sind aber schon deshalb umzuspritzen,
weil es in Krisenregionen gefährlich ist mit militärisch aussehendem
Fahrzeug unterwegs zu sein. Im Zweifelsfall nimmt man einen Eimer weißer
Farbe mit um das Gerät an der Grenze umzugestalten und/oder bepflastert
es mit großen Aufklebern aller Art, damit es schon aus der Entfernung als
nicht militärisch zu erkennen ist.
Die Fahrzeuge der NATO sind mit 24V-Anlage ausgerüstet, für die neue
Ersatzteile sehr teuer sind. Vom Händler gebrauchter Militärfahrzeuge
besorgt man sich deshalb rechtzeitig gebrauchte Ersatzteile wie Anlasser,
Lichtmaschine, Zündanlage.
Bundeswehrfahrzeuge waren natürlich nie zivil zugelassen, weshalb vor der
Erstzulassung beim TÜV bei einer Reihe von Ausrüstungen Beanstandungen
zu erwarten sind. Typische Beanstandungen sind die NATO-Anhängerkupplung,
die zivil allenfalls als Behelfskupplung zulässig ist, die
Tarnbeleuchtung. Es muss ein zusätzliches Lenkungs- oder anderes zweites
Schloss eingebaut werden. Schmutzfänger hinten müssen montiert werden,
eine Warnblinkanlage eingebaut und Gewichtsaufschriften an den Achsen
angebracht werden.
Man lässt sich beim TÜV natürlich groß raushängen, dass das Fahrzeug
ohnehin bald auf Nimmerwiedersehen in das Ausland verbracht wird.
Manchmal wird man sich fragen, warum Fahrzeuge ausgesondert werden, die
eigentlich einen sehr brauchbaren Eindruck machen. Das kann daran liegen,
dass man an dem betreffenden Standort gerne neue Fahrzeuge hätte, die
alten aber noch nicht richtig heruntergewirtschaftet waren. Man geht dann
bei der Mängelprüfung sehr großzügig vor, bezeichnet Motor und
Getriebe unter Vorwänden als überholungsbedürftig und schon haben die
zu erwartenden Reparaturkosten eine bestimmte Schwelle erreicht, die es
erlaubt das Fahrzeug auszusondern.
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