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Klar,
dass Allradantrieb für Wüstenreisen geeigneter ist als Zweiradantrieb.
Dabei ist der ständige Allradantrieb problemloser als der zuschaltbare,
er fordert aber auch seinen Obolus in Form leicht erhöhten
Treibstoffverbrauchs. Bei Zweirad- würde ich den Vorderradantrieb dem
Hinterradantrieb vorziehen, weil die Räder dann in tiefen Spuren auf der
Piste eher aus den Spuren hinaus folgen als bei Hinterradantrieb.
Ideal ist der ständige Allradantrieb mit Untersetzung und Sperren wenn
alles während der Fahrt zu- und abgeschaltet werden kann. Das ist soweit
ich weiß nur beim Unimog und MERCEDES
"G" gegeben. Schade, dass nur wenige % der "G"-
Fahrzeuge mit ihrer unübertroffenen Traktion jemals im Gelände gefahren
werden. Fahrzeuge, bei welchen man den Allradantrieb nur im Stand
einschalten darf oder mit ihm nicht schneller als 30km/h fahren darf sind
eigentlich keine Geländefahrzeuge. Was nützt mir der Allradantrieb, wenn
ich ihn erst einlegen darf, nachdem ich im Sandloch allen Schwung
verschenken musste, was nützt er mir, wenn ich zwischen zwei
Weichsandstellen keinen Schwung holen darf.
Große Verwirrung herrscht immer wieder bei der Frage nach dem Zweck von
Freilaufnaben. Sie werden an die Vorderräder von Fahrzeugen montiert, die
zuschaltbaren Allradantrieb haben. Bei Straßenfahrt wird die Kraftübertragung
zur Vorderachse im Fahrzeuginneren von Hand vom Verteilergetriebe
abgekoppelt um Treibstoff und Verschleiß zu sparen. Dennoch läuft die
vordere Kraftübertragung von den Vorderrädern getrieben weiter mit, wenn
sie nicht auch von den Vorderrädern abgekoppelt wird. Genau das machen
aber die Freilaufnaben, sie trennen das Rad von der vorderen Steckachse
bzw. dem Kreuzgelenk. Kommt man in Regionen, in welchen es erforderlich
werden kann den Allradantrieb zu benutzen, so stellt man die Freilaufnaben
auf LOCK, also FEST. Die Verbindung bei den Rädern ist hergestellt, bei
aktuellem Bedarf den Allradantrieb zu benutzen wird nur noch im Fahrzeug
auf Allrad umgeschaltet. Gefahr besteht, wenn man die Freilaufnaben frei
geschaltet hat und dann den Allradantrieb mitsamt der Untersetzung
einschaltet und im 1.Gang kräftig Gas gibt. Es kommt dann ein enormes
Drehmoment allein auf die Hinterachse und kann die Steckachsen abdrehen.
Gefahr droht auch bei automatischen Freilaufnaben, die wie der Freilauf
eines Fahrrades funktionieren. Macht das Fahrzeug z.B. am Kamm einer Düne
einen Sprung, dann wirkt die gesamte Schubkraft des Fahrzeugs beim
Wiederauftreffen auf den Untergrund allein auf die Hinterachse und kann
wiederum zum Abdrehen der Steckachsen, diesmal im Schiebebetrieb, führen.
Nun
mochten in der Vergangenheit stolze Besitzer von Range Rovern, die
bekanntlich über ständigen Allradantrieb verfügen, auch so schöne
Freilaufnaben haben. Solche Fahrzeuge haben natürlich nicht nur vorne und
hinten ein Differential in der Achse, sondern auch zwischen Vorder-
und Hinterachse, damit bei Kurvenfahrt keine Zwangskräfte wegen
unterschiedlichen Rollradius auftreten. Koppelt man da ein Rad von der
Kraftübertragung z.B. per Freilaufnabe ab, so dreht sich der Achsstummel
mit Höchstgeschwindigkeit, das Fahrzeug aber steht, weil die drei
Differentiale die Kraft auf die Steckachse lenken an dem an wenigsten
Widerstand zu verspüren ist.
Nicht unabdingbar erforderlich in einzelnen Situationen aber nützlich
sind Differentialsperren. Sie sorgen für feste Verbindung des linken mit
dem rechten Rad einer Achse, womit verhindert wird, dass sich nur
dasjenige Rad dreht, das z.B. in der Luft hängt oder auf Glatteis steht.
In der Sahara ist eine Sperre nicht sonderlich nützlich, denn Traktion
ist immer vorhanden, kein einzelnes Rad hat also die Tendenz alleine
durchzudrehen. Sitzt das Fahrzeug im Sand so fest, dass es mit
Allradantrieb und Untersetzungsgetriebe nicht freikommt, so liegt das
daran, dass die Vorderachse und Hinterachse im Sand aufsitzt und unüberwindbaren
Widerstand erzeugt. Hier hilft schaufeln und Bleche legen, was in der
Regel auch in kurzer Zeit erledigt ist.
Im Schlamm sieht das anders aus, da kann die Sperre hinten sehr nützlich
sein um zu verhindern, dass ein Rad auf schlüpfrigem Untergrund
durchdreht, während das Rad auf festem Untergrund keinen Vortrieb hat.
Als letzte Steigerung der Geländegängigkeit kann man die Sperre vorne
bestellen, sie bringt aber kaum mehr einen Vorteil gegenüber
Allradantrieb, Untersetzung und Sperre hinten. Gleichzeitig birgt sie
jedoch ein zusätzliches Unfallrisiko beim Verlassen des weichen
Untergrunds. Die eingeschaltete Sperre verbindet die Vorderräder so
konsequent, dass sie keine Neigung mehr haben in die Kurve zu gehen. Die
Lenkkräfte werden sehr hoch und der Wendekreis größer. Hat man also
nach der Geländefahrt vergessen die Differentialsperren zu lösen und fährt
damit auf der Straße in eine merkliche Kurve, so kann man leicht die
Fahrbahn verlassen. Deshalb der Merksatz: Kaufe kein Haus in der ersten
Kurve der Hauptstraße, wenn ein Bundeswehr - Übungsgeländes in der Nähe
ist.
Wägt man nun die Vor- und Nachteile von ständigem und zuschaltbarem
Allradantrieb ab, so neige ich neuerdings dazu, den ständigen
Allradantrieb zu bevorzugen. Er ist einfach immer drin, auch wenn in bei
Regen oder Schneetreiben daheim überraschend auf glatte Straße gerate,
braucht aber mehr Treibstoff. Bei modernen Dieselmotoren mit Turbolader
und Ladeluftkühlung hält sich der Treibstoffverbrauch ohnehin in so erträglichen
Grenzen, dass man diesen Mehrverbrauch durchaus verkraften kann.
Bemerkenswert sind noch die Syncro- Versionen von VW und Audi, deren
Allradantrieb sich dann automatisch zuschaltet, wenn sich eine gewisse
Drehzahldifferenz zwischen
den Rädern aufgebaut hat. Nun werden diese Fahrzeuge, einschließlich
VW-Bus Syncro, vom Werk ausdrücklich nicht als Geländefahrzeug
bezeichnet, der Syncro- Bus aber gerne als geländegängiges Reisefahrzeug
in Erwägung gezogen. Diese Technik führt dazu, dass das Fahrzeug bei plötzlich
auftretendem Weichsand bereits steckt bevor sich der Allradantrieb
zuschalten konnte. Das heißt nicht, dass ich dieses Fahrzeug für
ungeeignet halte, dass aber eben doch ein Nachteil in Kauf genommen werden
muss.
Dass
große Räder und hohe Bodenfreiheit für Reisezwecke erstrebenswert sind
ist bestimmt eine Binsenweisheit. Ich möchte daher nicht versäumen zu
erwähnen, dass sie fast wichtiger wären als Allradantrieb. Nicht umsonst
fahren in der Sahara stark motorisierte LKWs mit riesigen MICHELIN-
Sandreifen aber ohne Allradantrieb, wenn
sie nicht
gerade maßlos überladen sind, leichter über sandige
Pisten als so mancher Geländewagen.
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